Konzert

taz, Piranha und ByteFM
Do
20.
09.
18

Wolfgang Müller

Die sicherste Art zu reisen

Es gibt diese unscheinbaren, verhuschten Momente zwischen Menschen, wenn die Knoten sich lösen und die Dinge trotz aller bestehender Ungewissheit für einen Augenblick klar und sinnvoll erscheinen. Beim Aufwachen etwa, wenn einer verliebt und besorgt über den Schlaf des anderen wacht, oder spät nachts beim Streiten, wenn die Tränen geflossen und die Gemeinheiten verteilt sind, wenn man ausgelaugt und auf Null voreinander steht und sich trotzdem auf einmal bei den Händen nimmt. Bei den Händen nehmen muss.

Der Songwriter Wolfgang Müller macht Musik für diese Momente, oder vielleicht auch genau wegen ihnen. Irgendwie unmodern und hoffnungslos romantisch, mit klassisch gezupfter Gitarre und einer brüchigen, nüchternen Stimme, die offenkundig schon viel zu viele Zigaretten über sich ergehen lassen musste. Ob das nun Folk, Chanson oder Klassik ist spielt dabei genauso wenig eine Rolle, wie die Frage nach zwischenmenschlichen Masterplänen und Lösungsstrategien. Müller interessiert nicht, ob und wie sich seine Figuren am Ende tatsächlich bekommen, sondern eher wie sie in diesen Schwebezustand zwischen einem „Nach Vorne“ und einem „Zurück“ geraten konnten, in dem das „Ich liebe Dich“ in der nächsten Sekunde verdächtig nach „Ich will Dich nie mehr wiedersehen“ klingt. Welche Möbel werden in dieses seltsam- abstrakte „Beziehungs“-Gebilde geschleppt und wie oft hektisch hin- und her geschoben? Ist man dabei überhaupt noch ehrlich zu sich selbst? Und wo landet all der Krempel am Ende wieder? Unten auf der Straße? Die Lieder des Hamburgers sind oftmals wie das Knipsen eines alten Fotoapparates, der für den Bruchteil einer Sekunde alle verfügbaren Sinne aufreißt und den vorbeischneienden Augenblick mit all seinen positiven wie negativen Färbungen so präzise als möglich einfängt.

Die bislang veröffentlichten Alben heißen „In Der Zwischenzeit“ und „Gegen Den Sinn“ und sind vor allem eines nicht: panisch. Denn Wolfgang Müller weiß, dass auch wenn Verbindlichkeit und Nähe manchmal schwer zu ertragen sind, ein Aufbäumen meist auch keine besseren Zustände beschert. Trotzdem sind seine Lieder nicht resigniert, sondern besonnen, poetisch sowie ungeheuer klug. Ausladende Vollband-Experimente sind hier gar nicht von Nöten. Müllers fast schon kammermusikalischer Ansatz trägt vollkommen, was seine Live-Auftritte wie beim Berliner Online-Musiktalk „TV Noir“ vortrefflich belegen. 2011 erscheinen die bisherigen Alben „In Der Zwischenzeit“ und „Gegen Den Sinn“ endlich auch auf Vinyl, weshalb Wolfgang Müller nach ausgiebiger Babypause wieder vermehrt Konzerte spielen möchte. Mehrheitlich alleine mit seiner akustischen Gitarre – und die Menschen im Raum werden anfangen ganz sachte zu atmen und sich gebannt an all den verletzlichen Momenten beschwippsen, die dann wieder allabendlich durch die Räume flattern. (Mario Cetti)
Do 20.09.2018   Frankfurt/Main
Ponyhof
Wolfgang Müller
Ticketpreis
11,00 €
Einlass: 20:00 –  Beginn: 20:00 –  Anfahrt
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